POKAL-Kolleg

Projekt 06 – Medikationssteuerung

Medikationssteuerung bei Patient*innen mit Depression und Multimorbidität

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Ein übermäßiger Einsatz von Antidepressiva ist gerade bei älteren Patient*innen mit Multimorbidität und Multimedikation problematisch, da neben einer Erhöhung der Behandlungslast, auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und mit Grunderkrankungen das Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen (z.B. Sturzverletzungen, Elektrolytentgleisungen, Blutungen) erhöhen. Daher sollten Nutzen und Risiken von Antidepressiva regelmäßig überprüft werden und bei zweifelhaftem Nutzen, ein Absetzversuch (Deprescribing) unternommen werden. Solche Entscheidungen sollten von empirischer Evidenz untermauert werden und die Patientin/der Patient sollte auf einen Absetzversuch entsprechend vorbereitet (Psychoedukation) und während des Absetzversuchs begleitet werden (Case management).

Digitale Instrumente zur kontinuierlichen Erhebung von dokumentierten oder gemessenen Parametern der Patient*innen können hierbei die Grundlage von pharmakotherapeutischen Entscheidungen verbessen. Hierzu werden geeignete Case finding-Kriterien/Indikatoren zur Identifikation von Über- und Risikomedikation von Antidepressiva entwickelt und diese in Routinedaten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern implementiert, um Prävalenz sowie mögliche Ursachen und Prädiktoren zu untersuchen. Im gleichen Verfahren werden Handlungsempfehlungen für Hausärzt*innen zur Durchführung von Deprescribing bestätigt und Schulungen entwickelt. Parallel hierzu soll erforscht werden, welche Barrieren (z.B. in Bezug auf Wissen, Motivation und Umsetzung in der Praxis) auf Seiten von Patient*innen und Leistungserbringern eine Rolle spielen und welche Variablen bei der Entscheidung für oder gegen ein Deprescribing von Antidepressiva relevant sind.


Internationale Kooperation: 

Bruce Guthrie, Großbritannien

https://www.ed.ac.uk/profile/bruce-guthrie